Wieder Anti-Pelz-Proteste bei Escadas Aktionärsversammlung
05.05.2009
“Wissen Sie überhaupt wie schwer es ist, jemanden zu finden, der sich für Escada einsetzt?”An diesem sonnigen 28.April 2009 fand im noblen Arabella Sheraton Grand Hotel die 25. Hauptversammlung von Escada statt. Eine sonnige Veranstaltung war es angesichts der miesen Lage für das Unternehmen nicht. So mussten Vorstand und Aufsichtsrat sich nicht nur den teils doch recht wütenden Aktionären stellen, sondern sich auch mit AktivistInnen der Tierrechtsbewegung auseinandersetzen. Bereits morgens vor Veranstaltungsbeginn bekamen 2 Aktivistinnen einen Platzverweis vor dem Hotel ausgesprochen, als sie informative Zettel aushängen wollten. Als Vorstandsmitglied Bruno Sälzer dann seine Rede halten wollte, wurde er mehrmals von Zwischenrufen wie „Pelze raus, raus aus den Regalen“ und „Tiere wollen leben - Pelz ist Mord“ aus dem Publikum unterbrochen. Reinhard Pöllath versuchte als Versammlungsleiter doch tatsächlich noch deeskalierend zu wirken und redete etwas davon, dass die Dame sicher jetzt ruhig sein wird. Aber die Securities, die zahlreich anwesend waren, hatten sich schon durch die Sitzreihen zu den Aktivistinnen durchgearbeitet, um sie hinaus zu begleiten. Es wurden noch schnell Flyer hoch geworfen, bevor dann draußen einer der vielen Polizisten, die vor dem Hotel schon einmal vorsorglich warteten, die Personalien feststellte. Im Saal hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Pöllath wieder das Wort übernommen, wobei er auch noch einmal betonte, wie sehr der „Pelztierschutz“ doch ein Anliegen aller Akteure des Unternehmens sei. Und er habe bereits Kontakt zu „Pelztierorganisationen“ aufgenommen, um eine Lösung zu suchen, „wissend dass uns gesagt wird, sie sei unmöglich“. Das klang doch vielversprechend nichtssagend. Hoffnungsvoll diesmal wirklich Antworten zu bekommen, meldeten sich 2 Aktivistinnen in der Fragerunde zu Wort. Es wurde noch einmal vor den versammelten AktionärInnen die Situation der sogenannten Pelztiere erläutert sowie auf die Kampagne und die Versuche seitens Escada, diese durch repressive Mittel mundtot zu machen, eingegangen. Fragen nach der Herkunft der Felle, befürchteten Verlusten im Falle eines Ausstieges, prozentualer Gewinnanteile durch Echthaarfellprodukte, ethischen und moralischen Bedenken oder danach, wie sich Herr Prof. Dr. Pöllath denn so eine Lösung vorstellen würde, wurden nicht beantwortet. Außer ungenauen Aussagen und scheinheiligem Geschwafel von artenschutzrechtlichen Zertifikaten kam auch diesmal nicht viel zurück. Der Gebrauch von Echtpelzwaren wurde runtergespielt und mit absolut aus der Luft gegriffener "wirtschaftlicher Notwendigkeit" gerechtfertigt. So muss sich Escada mal wieder auf einen heißen Herbst voller Proteste gefasst machen - sollte es das Unternehmen dann noch geben: Denn das ist laut Aussagen des Vorstandes überhaupt nicht klar und hänge davon ab, ob sie es schaffen in den nächsten Wochen ihren Schuldenberg zu verkleinern, ablaufende Kredite zu verlängern und jemanden zu finden, der nochmal 10 Millionen Euro in das sinkende Schiff pumpt...
