Die Ausblendung des tierlichen Individuums
Die Zergliederung der Tierpelze in Besätze und Applikationen, die Einfärbung der Pelze und ihre Scherung verfremden Pelz. Ein anderes Mal wird Pelz als „Pelzgarn“ verstrickt, nach innen gewendet, bedruckt. Durch diese Manipulationen scheint es, als sei Pelz Material; ganz so wie die Stoffe, mit denen Pelz im „Materialmix“ kombiniert wird. An Jacken und Mänteln, an Schal und Handschuh aufgenäht – als Echtpelzapplikation oder -verbrämung – lässt die Ware Pelz vergessen, dass das Tierfell einst zum Körper tierlicher Individuen gehörte; zu Lebewesen mit Bewusstsein, Gefühlen, Wünschen, Interessen. Das tierliche Individuum bleibt ausgeblendet. Nichts am verarbeiteten Pelz erinnert mehr an die sieben Monate dauernde Freiheitsberaubung, an den Farmkäfig, der 20 Millionen mal (bei Füchsen) bzw. 30 Millionen mal (bei Nerzen) kleiner ist, als das Gebiet, das „Pelztiere“ in Freiheit bewohnen. Nichts an der Pelzware erinnert an den beißenden Gestank der Exkremente, die durch das Gitter fielen und sich direkt unter den Farmkäfig stapelten. Nichts erinnert an die Monotonie des Farmbetriebes, den Stress des Eingepferchtseins, den Kannibalismus. Pelz erinnert nicht an die Angst und die Agonie, also den Todeskampf zur Zeit der „Ernte“ (so bezeichnen die Pelztierfarmer das Töten der „Pelztiere“, das gegen November im Accord durchgeführt wird). Die Tierrechtsbewegung/Tierbefreiungsbewegung und mit ihr die ESCADA-Campaign hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gewalthandlungen der Pelzindustrie, die TäterInnen und ihre KollaborateurInnen aus der Verdunkelung und Anonymität zu holen und sich der tierlichen Opfer zu erinnern...
