Pelz und seine gesellschaftliche Bedeutung
Tierausbeutung hat immer auch eine symbolische Seite. Das tierliche Opfer steht – neben seiner materiellen, ökonomischen Vernutzung – stets auch für einen Herrschaftsanspruch von Menschen über die anderen Tiere.
Pelz etwa hat die Funktion eines sichtbaren Zeichens der Bemächtigung tierlicher Körper; es ist ein Symbol der gesellschaftlich organisierten und anerkannten Macht – der Macht, ein Leben auszulöschen. Wer Pelz trägt, stellt ihn zur Schau und zeigt damit anderen Gesellschaftsmitgliedern seine Machtposition (Pelz wird wohl eher selten abgeschieden zu Hause, im Verborgenen getragen). Dies mag auch erklären, warum z.B. Kunstpelz – in der Materialbeschaffenheit dem Tierpelz verblüffend ähnlich – noch immer nicht vollständig die Echtpelzprodukte verdrängt hat. Über eine Kunstfaser kann man eben keine soziale Macht ausüben...
Was nach der Häutung eines „Pelztieres“ zurückbleibt, ist ein ausgelöschtes, verstümmeltes und weggeworfenes Lebewesen. Der Pelz bezeugt dann, als Trophäe der Herrschaft über Tiere getragen, das an ihm begangene Unrecht.
Tatsächlich greift Pelz – wie übrigens alle tierlichen „Produkte“ – auf einen Mythos von „bezwungener Wildheit“ zurück. Noch der dünnste Pelzsaum zeigt all die Verachtung, die manche Menschen Tieren entgegenbringen; eine Verachtung, die sie damit gleichzeitig gegen sich selbst richten, gegen die eigene unterdrückte Natur. Die auf Leistung und Konkurrenz aufbauende Gesellschaft, die einem täglich abverlangt, sich Normen anzugleichen, lässt nur wenig Raum für Freiheit. Voller Neid schauten und schauen Menschen in allen Kulturen – freilich als unbewusster, weil tiefenkulturell verankerter Handlungsvollzug – darum auf Tiere, die die sozialen Zwänge der Gesellschaft von Menschen nicht kennen. Das freie, selbstzweckliche, ungenutzte Tier entfacht sodann die Wut gegen das „Animalische“. Diese Wut endete in der fanatischen Unterwerfung und Instrumentalisierung aller nichtmenschlichen Tiere und brachte die systematische „Tierproduktion“ hervor, die heute ein totalitäres, speziesistisches System darstellt: ein System von Züchtung, Einsperrung, Ausbeutung und Vernichtung tierlicher Individuen. Die Pelzindustrie ist Teil dieser Tierausbeutungsindustrie, die Tiere zum Ding, zur Ware macht und ihnen verweigert, selbstbestimmt zu leben.
