Leugnung des Leidens der „Pelztiere“
Neben zuvor geschilderten Rückgriff auf den Mythos einer „Natürlichkeit“, die dem Pelz anhafte, um damit die soziale Konstruiertheit und damit Veränderbarkeit des Mensch-„Nutztier“-Verhältnisses zu verschleiern, ist die älteste Taktik der Pelzindustrie: die offensichtliche Verletzbarkeit und Leidensfähigkeit von Tieren zu leugnen und die der Pelzproduktion immer anhängende Gewalt gegen Tiere abzutun. Dies ist freilich nicht einfach angesichts der augenfälligen und unleugbaren Tatsache, dass Nerze, Füchse, Waschbären, Chinchillas, Kaninchen und viele andere Tiere auf „Pelzfarmen“ monatelang in Käfigen gefangen gehalten und anschließend durch Erstickungstod oder mittels eines elektrischen Stromstoßes umgebracht werden. Ein Käfig ist ein karges und trostloses Gefängnis, der Tod in der Gasbox ein qualvoller Todeskampf und Stromstöße eine abscheuliche Hinrichtung. Weil also die Zustände offensichtlich schlecht sind und TierrechtlerInnen und TierbefreierInnen weltweit und unaufhörlich immer wieder – auch über die aufgerüsteten – Sicherheitszäune der Pelzfarmen klettern und Beweismaterial knipsen und filmen, versucht die Pelzindustrie auch nicht groß, nachvollziehbare Gegenargumente für das Elend auf „Pelzfarmen“ anzubringen. Sie blubbert lapidar, vertreten jeweils durch Lobbyorganisationen wie die Pelzinstitute, Pelztierzüchterverbände oder Kürschnerverbände, dass es „Pelztieren“ auf „Pelzfarmen“ gut gehe. Dies könne man feststellen am glänzenden Fell (das in Wirklichkeit durch die dem Futter beigemengten Zusatzstoffe erreicht wird). Außerdem zeige sich das Wohlergehen der Tiere daran, dass die Tiere „fressen“, wachsen und das Einkommen des Pelztierfarmers steigern (sic!). Aber die Argumentation der Pelzwirtschaft nimmt noch groteskere Züge an: „Pelztiere“ würden in Freiheit erfrieren, Nerze (gute Schwimmer) gar in Gewässern ertrinken. Da wird ein Käfig doch gleich zum gemütlichen Zuhause. Diesen Humbug konnten jedoch Veterinäre – normalerweise eingebunden in zahlreiche Seilschaften der Tierausbeutungsindustrie – in den vergangenen Jahren nicht mehr aufrecht erhalten. Für die EU erarbeiteten sie in einer Kommission eine Pelztierhaltungsverordnung. Die Käfige werden nach dieser Verordnung nun größere und strukturierte Gefängnisse, mit Beschäftigungsmaterial (Ball oder Plastikrohr z.B.); Nerze erhalten außerdem einen kleinen Schwimmbereich (scheinen also doch nicht zu ertrinken).
Das Elend der „Pelztiere“ wird jedoch nicht über neu geschaffene Pelztierhaltungsverordnungen verschwinden; nicht über „strukturierte und angereicherte Käfige“ oder andere verlogene Reformen, sondern nur durch die indirekte oder direkte Öffnung der Käfige, durch die Befreiung der Tiere aus ihrer gewaltsamen Benutzung als Ware. Denn die Gewalt auf „Pelzfarmen“ bedroht weiterhin Leib und Leben der „Pelztiere“.
